Geduld

Wir kennen lange nicht, was wir sind,
wir reichen in dunkle Tiefen,
doch immer schließlich sind sie da
die Geister, die wir riefen.

Lang, lang vor uns,
da buk man Gesetz
und kannte von da an das Böse
und schwur sich Rache
und rief nach (Schwarz – Weiß) dem Recht
und Helden gab‘s und Verstoßne.

Und was sie verdammt und was sie verbannt,
es lauert nun in den Tiefen
und sucht Gehör und ruft uns an
und hängt sich an unser Empfinden.

Wir fühlen den Mord und hören den Schrei
der Opfer, Gerächten und Rächer
und alles vermischt sich zum endlosen Fluch
und müde sind wir der Helden.

Wo sollen sie hin die Verdammten der Welt,
kann Strafe sie erlösen?
Wird etwas ungeschehen gemacht
selbst durch den Tod der Bösen?

Ist‘s dann, als wär es nie gescheh‘n,
aus unleugbarem Zufall einmal da
und dann verlöscht für immer?

Und wenn im kleinsten Wesen
das Ganze nun enthalten wäre?
Dann wär es ohne Zeit
und nichts verging durch den Tod,
doch durch Verwandlung?

Elle, 05.09.1994
nach dem Lesen von „Hamlet“ entstanden