Meeresgrüße

Das Hören ist so alt wie Meeresrauschen,
es windet sich wie Wellen um den Laut,
versinkt in dunkle Tiefen seines Sinnes
und weckt dann die Entsprechung auf.

Es ist doch, dass da etwas ist,
ist‘s nicht, als ob sich etwas findet,
ganz hingegeben (an die Meereswellen); wie ein Kind.
Was kann es von sich selbst entdecken
das Meer, die Wellen und der Wind?

Kann es die Freudenwellen kosten
und auch der tiefen Schwermut Sog,
der Schmerzen Brecherwellen Hölle
und auch des Gischtes Funkelnd Flug?

Ist es der Mensch, der aus den Welten ,
der Geistesreiche Ozean,
nun schöpfen soll mit Wellenohren,
was lauschend nun ein Wesen kann?

Er singt des Meeres Wellenlieder
in seinem Wolkenkuckucksheim,
und plötzlich ist‘s, dass hin u. wieder
ein Wellenglitzern ihm erschein‘.

Er spürt von ferne Windeswellen,
der Hitze Flimmern in der Luft,
er riecht der Blüten Düftewellen
und ihr Verfliegen in der Luft.

Er hört der Vogelschwärme Rauschen,
des Donners Hall von nah und fern,
und endlich hört er Meeresstimme:
„Ich grüß die Meinen halt so gern!“

Elle Ilgen
31.08.1993 / 30.04.2013

Das Wort ist nicht die Sache selber

Oh Dinge gibt‘s, die sind so schwer,
die sind so groß als wie das Meer.
Dort lauscht die Sonne bei den Wellen
und hört erstarrten Klang im Eis.
Ihr Liebeswerben löst die starre Zunge
und Laute hat der Wind gegeben
und Schrift, die grub die See in Sand.*

Und heimlich lauscht der Menschen in Höhlen
und dann im Stalle, dann im Haus
und aus der Natur mit ihrem Klange
entwickelt Sprache sich heraus
und Form gab Schrift gesetzt in Zeichen
gemäß dem Sinn wie ein Gedicht.
Und war Natur hier nunmehr künstlerische Chiffre,
so war auch diese Dichtung aus dem Meer geboren
und allem nah,
auch dem Gesetz: dem Licht.

Doch ankern wir jetzt heut‘
in abgetrennten Worten,
nicht ahnend mehr ihr Werden und Vergeh‘n
so werden wir uns nicht versteh‘n.

* und Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen
entließ das Meer als „Schrift“ an Land.

Elle Ilgen, 16.01.2001

Geduld

Wir kennen lange nicht, was wir sind,
wir reichen in dunkle Tiefen,
doch immer schließlich sind sie da
die Geister, die wir riefen.

Lang, lang vor uns,
da buk man Gesetz
und kannte von da an das Böse
und schwur sich Rache
und rief nach (Schwarz – Weiß) dem Recht
und Helden gab‘s und Verstoßne.

Und was sie verdammt und was sie verbannt,
es lauert nun in den Tiefen
und sucht Gehör und ruft uns an
und hängt sich an unser Empfinden.

Wir fühlen den Mord und hören den Schrei
der Opfer, Gerächten und Rächer
und alles vermischt sich zum endlosen Fluch
und müde sind wir der Helden.

Wo sollen sie hin die Verdammten der Welt,
kann Strafe sie erlösen?
Wird etwas ungeschehen gemacht
selbst durch den Tod der Bösen?

Ist‘s dann, als wär es nie gescheh‘n,
aus unleugbarem Zufall einmal da
und dann verlöscht für immer?

Und wenn im kleinsten Wesen
das Ganze nun enthalten wäre?
Dann wär es ohne Zeit
und nichts verging durch den Tod,
doch durch Verwandlung?

Elle, 05.09.1994
nach dem Lesen von „Hamlet“ entstanden

Lied für 2 Töne (hoch + tief)

Einmal mit hohem Ton anfangen, einmal mit tiefem
Hoch führt zu „ruht“, Tief führt zu „weht“.

Ruhe / Wind – Stille

Alles dreht sich
alles dreht sich
alles windet sich um sich.

Alles windet, windet,
dreht sich,
Jahrmilliarden um sich selbst

Alles dreht sich,
windet, dreht sich,
alles windet sich um sich.

Alles dreht sich, windet,
dreht sich,
Jahrbillionen um sich selbst.

Alles faßt sich,
alles faßt sich
faßt zusammen sich
und ruht / und weht.

Elle, 29.03.1994

Der Geräuschpegel

Der Geräuschpegel schaukelt die Wellen,
auf seinem Pegel hält sich ein Haupt.
Es ist, als wolle er eine ganze Gestalt stützen.
Wenn es plötzlich still wäre,
würde sie vollkommen in sich zusammensinken.