Rosen auf dem Markt

Wollte eine Rose seh‘n,
Rosa damaszena,
Gärtner hörte „Bahnhof“ nur
und „Mercedes“.

Wo ist der Duft der Rosen hin,
Wo ist er geblieben?
Gärtner liebt die Pflanzen nicht,
was ist gescheh‘n?

Auf den Märkten stehen sie,
Blumen aus dem Pappkarton,
wo ist ihr Leben hin,
wo ist ihr Leben hin?

***

Wollte einen Menschen seh‘n,
einen so wie Du und ich,
Mensch sah durch mich hindurch
und ging vorbei.

Wo ist der Sinn der Menschen hin,
wo ist er geblieben?
Mensch liebt den Menschen nicht,
was ist gescheh‘n?

In den Straßen gehen sie,
Menschen ausgenützt und leer.
Wo ist ihr Wesen hin,
wo ist ihr Wesen hin?

***

An der Zukunft Dämmersaum
steht des Dichters Menschentraum:
Dass alle Nützlichkeit
Sich mit dem Spiel vereint.

Einmal wird es Einsicht sein,
daß Profit nicht macht‘s allein,
dann wirds die Regel sein
das schöne Einfachsein.

Luxus wird dann innen sein,
wo die Freude ist daheim,
Einsicht (Zeit wird) das Mittel sein,
zu lösen Rätsel ein.

„Masse Mensch“ wird nicht mehr sein,
jeder steht für sich allein
und wird genesen sein,
um Mensch für Mensch zu sein.

Elle, 24. August 1993