Das Wort ist nicht die Sache selber

Oh Dinge gibt‘s, die sind so schwer,
die sind so groß als wie das Meer.
Dort lauscht die Sonne bei den Wellen
und hört erstarrten Klang im Eis.
Ihr Liebeswerben löst die starre Zunge
und Laute hat der Wind gegeben
und Schrift, die grub die See in Sand.*

Und heimlich lauscht der Menschen in Höhlen
und dann im Stalle, dann im Haus
und aus der Natur mit ihrem Klange
entwickelt Sprache sich heraus
und Form gab Schrift gesetzt in Zeichen
gemäß dem Sinn wie ein Gedicht.
Und war Natur hier nunmehr künstlerische Chiffre,
so war auch diese Dichtung aus dem Meer geboren
und allem nah,
auch dem Gesetz: dem Licht.

Doch ankern wir jetzt heut‘
in abgetrennten Worten,
nicht ahnend mehr ihr Werden und Vergeh‘n
so werden wir uns nicht versteh‘n.

* und Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen
entließ das Meer als „Schrift“ an Land.

Elle Ilgen, 16.01.2001