Ischia (spr. ískia, im Altertum Änaria und Pithecusa genannt), Insel im Tyrrhenischen Meer, nordwestlich am Eingang des Golfs von Neapel, zur ital. Provinz Neapel, Kreis Pozzuoli, gehörig, wird vom Festland durch einen gegen 10 km breiten Kanal getrennt, in welchem die Insel Procida liegt, hat 39 km Umfang und zählte 1881: 22,170 Einw. Die Insel ist gebirgig und rein vulkanischen Ursprungs; steile, zerrissene Tuff- und Lavafelsen bilden ihre Küsten. Der scharf gezackte, 795 m hohe Epomeo, von dem man den besten Überblick über die Insel hat, war ein Hauptherd der vulkanischen Kräfte; außer ihm, der 1302 seinen letzten Ausbruch hatte, und dem nach NW. vorgeschobenen Monte Vico trägt die Insel noch elf kleinere Kegel. Der vulkanische Boden ist außerordentlich fruchtbar. Daneben nährt auch Fischerei die Bewohner, und eine wichtige Erwerbsquelle sind die warmen Mineralquellen, deren es 35 gibt, die berühmtesten die von Casamicciola. Diese ziehen im Sommer, Juni bis September, zahlreiche Besucher herbei. I. ist seit den ältesten Zeiten, zuletzt 1301, von gewaltigen vulkanischen Ausbrüchen heimgesucht worden, häufiger noch von Erdbeben, im 19. Jahrh. fünfmal, zuletzt und am heftigsten 28. Juli 1883, wobei Casamicciola und Lacco Ameno zerstört wurden. Übrigens wurden für die Verunglückten und Geschädigten mehr als 6 Mill. Lire, davon 2 Mill. im Ausland, ¾ Mill. in Deutschland, gesammelt. Man hat diese Erdbeben von dem Vulkan Epomeo abgeleitet, auf dessen fortdauernde, wenn auch schlummernde Kräfte die zahlreichen heißen Quellen deuten; wahrscheinlicher aber handelte es sich um Einsturzerdbeben. Die feste kristallinische Lavenoberfläche der Insel ruht auf lose verfestigten Tuffen, in welchen sich weiche Thonmergel eingelagert finden. Letztere werden durch die Wirkung des Wassers, besonders der heißen Quellen, ihres Kalkes beraubt und in eine schlüpfrige Masse verwandelt, welche unter dem Druck des überlagernden Gesteins plötzlich ausweicht, den Zusammenbruch und damit das Erdbeben herbeiführt. Vgl. Johnston-Lavis, Monograph of the earthquakes of I. (Neap. 1886). - Die Hauptorte der Insel sind: Casamicciola (s. d.) an der Nordseite, Forio (s. d.) an der Westseite und das Städtchen I. an der Ostseite, Procida gegenüber, mit (1881) 2741 Einw., einem Hafen, Seebad und schöner Kathedrale, Bischofsitz; davor auf einem 180 m hohen Felsen, der nur durch einen schmalen Damm mit der Insel verbunden ist, ein Kastell, das unter den Bourbonen als Staatsgefängnis diente. Vgl. Kaden, Die Insel I. (Luzern 1883).